Ein Leben in Würde:

Asha's Weg in die Unabhängigkeit

In einer kleinen Gemeinschaft, die von der Landwirtschaft lebt, kann eine Lepra-Erkrankung den sozialen Abstieg bedeuten. Unser Mitarbeiter Temesgen hat in Tansania eine Frau kennengelernt, die diese Herausforderung überwunden hat.

Chazi / Würzburg, 29.08.2023: Im Osten Tansanias, in der zweitgrößten Region Morogoro, liegt das Dorf Chazi. Etwas mehr als dreihundert Menschen leben dort. Temesgen Woyessa aus dem DAHW-Regionalbüro Ostafrika, der – gemeinsam mit seiner Kollegin Grace Mwasuka – erst kürzlich dort zu Besuch war, erzählt von einer harmonischen Gemeinschaft und von großer Gastfreundschaft, die ihm entgegengebracht wurde.

Da die Menschen in Chazi hauptsächlich von der Landwirtschaft leben, stellt der Klimawandel für sie eine besondere Herausforderung dar. Die Wetterbedingungen sind unberechenbarer geworden und auf den Regen, der für den Anbau von Reis, Mais, Bohnen oder Sonnenblumen dringend benötigt wird, ist kein Verlass mehr. Die Menschen von Chazi aber, so erzählt es Temesgen, sind entschlossen, ihren Lebensunterhalt zu sichern – auch, wenn das für sie und ihren Alltag große Veränderungen bedeutet. Dieser unbedingte Wille war bei den Bewohner:innen Chazis, die Temesgen während seines Besuchs kennenlernen durfte, deutlich zu spüren, sagt er, und ganz besonders bei Frau Asha Salum Bakari.

Asha (Mitte) und weitere Dorfbewohner:innen auf einem von ihnen bewirtschafteten Sonnenblumenfeld in Chazi (Foto: Jimmy Makundi / DAHW)
„Ich hatte ein schreckliches Leben“, erklärt die resolute 71-Jährige. „Ich war völlig abhängig von anderen Leuten.“ Sie spricht von der Zeit, als sie an Lepra erkrankt war. Vor allem ihr Bein war betroffen, es schmerzte, Asha konnte es kaum benutzen und war in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Asha ist siebenfache Mutter, sie brachte ihre Kinder alleine durch. „Ich war oft einsam“, sagt sie schlicht.

Vor etwa zehn Jahren aber änderte sich etwas in Ashas Leben. Im Rahmen eines DAHW-Projekts konnte sie sich operieren lassen. Ihr Bein wurde amputiert, sie erhielt eine Prothese und so ihre Beweglichkeit zurück. Nun war es ihr auch möglich, regelmäßig an einer Selbsthilfegruppe für von Lepra betroffene Menschen teilzunehmen. Diese Gruppe konnte mit einem kleinen Darlehen in den Anbau von Sonnenblumen investieren und ein Motorrad kaufen. Damit zogen die Mitglieder einen Mini-Transportservice auf und sicherten sich so ein bescheidenes Einkommen – auch, wenn es mal länger nicht regnet.

„Nach und nach hat sich mein Leben deutlich verbessert“, sagt Asha heute. Durch die von der DAHW unterstützten Informationsveranstaltungen gibt es in der Gemeinde nun mehr Verständnis für Lepra, die Stigmatisierung hat maßgeblich abgenommen und die Betroffenen sind in die Gemeinde integriert. „In Chazi leben alle in Würde zusammen“, sagt auch Temesgen Woyessa, „Menschen mit und ohne Behinderungen, Menschen, die von Lepra betroffen sind oder waren, jung und alt.“

Dazu, dass das so bleibt, will Asha ihren Beitrag leisten: Sie beteiligt sich an Selbsthilfegruppen und unterstützt Sensibilisierungskampagnen für die Früherkennung von Lepra. Außerdem setzt sie sich für die Integration von Betroffenen in der Gemeinde ein.

2003 hat die DAHW-Projektarbeit in Chazi begonnen – seitdem ist in der kleinen Gemeinschaft viel passiert. Ashas Geschichte zeigt eines deutlich: „Die Menschen in Chazi sind bereit, sich auch auf große Veränderungen einzulassen, um sich ihre Zukunft zu sichern“, so drückt es Temesgen aus. Sein Appell: „Lasst sie uns dabei unterstützen.“
Durch die medizinische Behandlung und die Unterstützung in der Selbsthilfegruppe hat Asha ihre Selbstständigkeit zurückerlangt Foto: Jimmy Makundi / DAHW

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